Dies ist die Übersetzung des Interviews, das Angelo Lund Cannavo (ein Mitarbeiter von drmowinckel.com) im August mit Kaizers Orchestra führte. Wir danken ihm dafür, dass wir auf unserer Seite eine Übersetzung dieses Interviews präsentieren dürfen!
Von: Angelo Lund Cannavo
Fotos: Vidar Westrum
Freitag 12. august 2005

Nach einer fantastischen Kaizersparty am Abend zuvor treffen wir uns müde und ein wenig verkatert im Cafe Mono zum verabredeten Interviewtermin mit Kaizers Orchestra. Nachdem man ein paar obligatorische Höflichkeiten ausgetauscht und ein ruhiges Plätzchen im Hinterhof vom Mono gefunden hat, fragt Geir uns, ob wir die neue Platte schon gehört haben. Wir antworten bejahend, worauf Geir uns fragt: "Und ihr seid noch im Fanclub?". Kaizers haben momentan ihre Promo-Woche. Sie treffen sich ohne Unterlass mit Journalisten und erklären, worum es im dritten Album "Maestro" geht. Wir sind keine Journalisten, sondern Fans, aber versuchen uns wie Journalisten zu benehmen. Ein paar Durchläufe von "Maestro" haben uns nicht nur imponiert und fasziniert, sondern auch neugierig gemacht. Ein so detailreiches Soundbild, Songs mit mehreren unterschiedlichen Parts, fortgeschrittene Gesangsharmonien und eine reiche Instrumentierung führen uns zu unseren ersten Fragen.
Dr. Mowinckel: Wie werdet ihr diese ganzen verschiedenen Ausdrucksformen live umsetzen?
Janove: Ihr habt "Maestro" ja schon gehört. Auf dem Album gibt es viel Inhalt, ruhige und harte Passagen, Rock, Zigeunermelodien und Ölfässer. Das lässt sich schon umsetzen.
Dr. Mowinckel: Wie ist es mit einem Song wie "Dieter Meyers Inst."?
Janove: Da sind wir selbst drauf gespannt. Wir müssen ihn ja erst einüben. Aber wir werden vor der Tournee so viel proben, dass es gut gehen wird. Und wir haben es ja auch schon im Studio live eingespielt. Man kann da niemandem was vormachen. Das ist eine Live-Aufnahme. Der Drummer spielt sich quasi durch den Song.

Geir: Drums, Bass, Gitarre, Orgel und so.
Janove: Das ist ein großer, dramatischer Song. Es hat Spaß gemacht, ihn zu machen. Das wird sehr schön.
Dr. Mowinckel: Wenn ihr im Studio Songs einspielt, denkt ihr gleichzeitig daran, ob sie auch live funktionieren, oder kümmert ihr euch erst später darum?
Janove: Beides. Während des Entstehungsprozesses denken wir daran, dass es live funktionieren muss. Dann müssen wir den Song im Studio einüben, und dann proben wir so, dass wir es live spielen können. So war es beispielsweise bei "Resistansen". Der Song ist ja live total anders als auf der Platte, denn wir finden, dass er so besser funktioniert. Aber die Live-Version funktioniert nicht auf Platte.
Geir: So war es ja zuerst, und dann haben wir versucht es einzuspielen. Das war der erste Song, den wir mit Jørgen Træen einspielten. Und er fand ihn total schlecht. Dann spielten wir als zweites "Ompa Til Du Dør" ein, und da verstand er, worum es ging. "Die erste Aufnahme können wir so nicht nehmen, die war total schlecht", sagte er. Auf diese Art ging es nicht. Auf den Saiteninstrumenten ging zuviel ab.
Dr. Mowinckel: Wie findet ihr das, dass sich eine Fankultur mit Fans entwickelt hat, die schon 20-30 Konzerte besucht haben und die sich mit Demos und den alten Sachen beschäftigen, die ihr vor vielen Jahren gemacht habt?
Janove: Total verrückt! Das war ganz schön surreal, als wir gestern im Skuret waren und diese Tribute-Band "Edderkopp" gespielt hat, ein Song, den wir mit 15-16 gemacht haben. Damit hatten wir nicht gerechnet. Aber wir finden das gut und positiv. Eine Band wie wir braucht solche Kräfte, um sich aufrecht zu erhalten. Wir sind ja eigentlich keine Mainstream-Band. Aber wir arbeiten hart und haben einiges geschafft. Der durchschnittliche Kaizers-Fan hat mehr als ein Konzert gesehen. Es gibt wenige, die sagen: "Die haben wir gesehen, das reicht."
Geir: Aber nicht alle sehen uns 20 Mal.
Janove: Nein, nicht 20 Mal. Aber die kommen öfter als ein Mal. Das ist schon ganz speziell.
Geir: Einige Sachen, die wir früher gemacht haben, sind ja auch auf die eine oder andere Art ganz interessant. Einige Sachen von Blod Snått og Juling finden wir ja selbst immer noch witzig und interessant, obwohl sie eine ganz andere Qualität haben. Es gibt die Sachen auf Kassette, aber wir haben sie selber nicht mehr.
Janove: Das Verrückte, Unprätentiöse und Schräge, womit wir in den frühen Tagen herumexperimentiert haben, hat ja mehr mit dem gemein, was wir jetzt machen, als mit dem, was wir dazwischen mit gnom machten.
Geir: Ja, wir haben dazwischen gnom gehabt, also sind das quasi verschiedene Seiten von uns.
Janove: Wofür wir auch voll geradestehen. Alle kommen ja irgendwoher. Das ist ganz lustig, wir haben hier in einem Hotelzimmer ein bisschen mit den alten Blod Snått og Juling Songs herumgespielt. "Fly" zum Beispiel, ich weiß nicht ob ihr den gehört habt? Wir haben den nie eingespielt.
Geir: Ja, es gibt Sachen, die ihr noch nicht gehört habt.
Janove: Da gibt es sicher Vieles. Wir haben einiges vergessen, aber während wir sie wieder singen, kommt es nach und nach wieder. Die dritte Strophe haben wir mit 17 zweistimmig gesungen, nämlich so… (singt). So haben wir das früher gemacht, und so machen wir das heute. Und die Leute glauben, dass wir das von Beck oder Snoop Dogg haben, aber in Wirklichkeit stammt das aus einer Zeit, wo wir außer a-ha und September When (frühere Band des norwegischen Popstars Morten Abel, Anm. SMK) nicht kannten. Es kommt also von uns selbst.

Dr. Mowinckel: Ihr habt auf diesem Album mehr Gesangsharmonien verwendet als auf den letzten Platten, gibt es dafür einen Grund?
Janove: Als wir Ompa machten wollten wir keinen zweistimmigen Gesang mehr haben, denn das hatten wir davor schon zehn Jahre lang gemacht.
Geir: Gnom quillt über vor zweistimmigem Gesang. Da waren wir ja nur zu zweit und für Janove war es langweilig ganz alleine zu singen. Er fühlte sich ein bisschen unwohl, wenn er alleine singen musste, und deswegen war es ganz gut, dass ich dann mitsang.
Janove: Ja, wir hatten keine Lust mehr darauf. Außerdem ist das ja irgendwie der einfachste Trick, um etwas nett klingen zu lassen. Außerdem hatte Trang Fødsel (norwegische Band, Anm. SMK) das so ausgiebig gemacht, dass wir es nicht mehr machen wollten. Da ist nicht mehr so viel zweistimmiger Gesang, sondern mehr Gesangsarbeit und cooler mehrstimmiger Gesang. Wie in "Bøn Fra Helvete". Davon gibt es auf "Maestro" reichlich, solche Passagen, wo sich die verschiedenen Gesangslinien überlappen und verschiedene Stimmen zu Wort kommen.
Dr. Mowinckel: Auf der Platte gibt es viele Stimmen. Manche singen hell, manche dunkel, und mit verschiedenen Akzenten usw. Repräsentieren sie verschiedene Figuren und Blickwinkel?
Janove: Nein, das ist ja erst ein Mal nur Spielerei. Nimm z.B. Missy Elliott, die kann das richtig gut. Und Outkast. Wir finden das einfach nett. Eminem macht das auch richtg gut. Wir finden das schön so, das macht die Songs catchy und vielseitig.
Geir: Es ist einfach abwechslungsreicher, als wenn Janove immer nur seine Stimmlage durchzieht, das wird dann mit der Zeit zuviel. Man braucht dann auch mal ein bisschen mehr Weiches. Das hilft.
Janove: Und das bekommt der Platte ganz gut. Das soll ja auch so ein bisschen wirken, als wärst du ein wenig abgefuckt im Kopf. Mental frustriert.
Geir: Ein wenig schizo...
Janove: Ja, es sollen Stimmen im Kopf sein. Einer schreit und der andere flüstert. So hängt das alles irgendwie zusammen, ohne dass es wirklich geplant gewesen ist. Wir haben alles in diesem Geist gemacht, und deswegen ist es so geworden wie es jetzt ist.

Dr. Mowinckel: Gibt es einen Grundgedanken zu den Texten, oder ist es bloß eine Illusion, dass alles zusammenhängt?
Janove: Eigentlich ist es recht einfach zu sehen, dass alles zusammenhängt. Wir haben für diese Platte ungefähr 30 Songs gehabt. Nur zwölf davon kamen auf die Platte, und alle 30 Songs haben so ihre eigene Geschichte. Wir haben nicht die Songs ausgesucht, die inhaltlich am besten zusammenpassten, sondern die, von denen wir dachten, dass sie musikalisch am fettesten waren. "Medisin og Psykiatri" z.B., da hatten wir das Gefühl, das wir sowas schon mal gemacht haben, also wollten wir es nicht als den letzten Schrei präsentieren. Deswegen hängt nicht alles so zusammen. Denn es gibt ein paar Songs, die wir nicht nahmen, die das Ganze vielleicht inhaltlich ein bisschen besser zusammengebunden hätten. Songs, die wir nie einspielten und die nie rauskommen werden.
Geir: Die Geschichte besteht quasi aus 30 Teilen und dann bekommt man nur diesen beschränkten Einblick in sie. Du bekommst nicht das ganze Bild vorgesetzt, nur Teile der Geschichte und du musst zwischen den Zeilen lesen und dir selbst deinen Teil dazu denken. Das ist gleichzeitig logisch und unlogisch. Wir haben damit ein bisschen gespielt.
Janove: Wir haben ja darüber nachgedacht, den Fans auf unserer Seite nach und nach so ein paar Bonus-Sachen anzubieten, vielleicht indem wir die Texte zu den nicht eingespielten Songs veröffentlichen. Ihr bekommt nicht die Songs zu hören, da wir sie nie einspielen werden, aber ihr könnt die Texte lesen.

Dr. Mowinckel: Leistet ihr für die Texte Recherchearbeit?
Janove: Nicht bewusst. Am einfachsten ist es ja, Filme zu sehen. Da gibt es interessante Stimmungen, Charaktere und Sätze. Wir versuchen ja, dasselbe zu sagen wie ein Film, nur mit Musik und Texten.
Dr. Mowinckel: Was sind eure Lieblingssongs?
Øyvind: "KGB"
Helge: "Auksjon"
Rune: "Dieter Meyers Inst."
Janove: "KGB"
Geir: "KGB"
Terje: "KGB"
Dr. Mowinckel: Warum findet ihr alle "KGB" so toll?
Geir: Er groovt so verdammt gut.
Janove: Der Song hört sich an wie eine verdammte transsibirische Dampflokomotive, die über die Ebene fährt! Das wollten wir daraus machen und das schafften wir auch.
Geir: Er gibt mir ein verdammt gutes Gefühl. Viel schöne Gitarrenarbeit. Wenn die Fans den nicht mögen sollten... wir mögen ihn trotzdem! Wenn du nur noch die knallharten Zigeuner-Sachen hören willst – das machen wir nicht mehr. Dann musst du dir eine andere Band suchen.
Janove: Wir haben ja auch "Delikatessen", der so ein bisschen so ist. Das ist so frustrierend, wenn wir Kommentare auf unsere Seite bekommen, dass Leute "Venner For Livet" von Postgirobygget (bekannte norwegische Band, Anm. SMK) toll finden, weil sie glauben, dass er von uns ist. Aber wenn du den magst, dann magst du ja nicht uns, sondern Postgirobygget! Songs wie "Blitzregn Baby" sind so ein bisschen mehr das, was wir gewöhnlichen Rock 'n' Roll nennen. Aber da wir das vorher nicht gemacht haben, ist das für uns was Neues. Und dann finde ich, dass wir richtig schöne Balladen auf diesem Album haben. Die besten Balladen, die wir bis jetzt gemacht haben.
Dr. Mowinckel: Nach dem Gig auf dem Prekestolen sagte Janove, dass "Maestro" nicht als erste Single rauskommen würde, da man einen besseren Song hätte. Weswegen habt ihr euch umentschieden?
Janove: Ja, das stimmt. Wir haben uns umentschieden, weil die zweite Single die bessere ist. Aber wir sprechen jetzt nicht über den besten Song. Wir sprechen über die bessere Single-Auskopplung. Der Refrain muss nach so und so vielen Sekunden kommen, kein zu langes Intro, es darf nicht zu lärmig und hässlich sein. Was würde das Radio spielen, und was passt denen besser ins Programm.
Terje: Aber das haben wir zusammen besprochen und beschlossen.
Geir: Die Leute in Deutschland waren für ein anderes.
Dr. Mowinckel: Warum ist Maestro eine gute Single?
Geir: Er repräsentiert das Album am besten, so gut es halt in vier Minuten geht.
Janove: Das ist ein Song, den kein anderer sonst hat. Es gibt keine Band, die einen annähernd ähnlichen Song hat. Insofern ist es einfacher mit ihm die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, vor allem bei der geringen Häufigkeit, mit der er gespielt wird. Nimmt man den glättesten Song, fällt er nicht auf.
Dr. Mowinckel: Wie war der Wechsel zu einem größeren Label?
Janove: Alles ist viel besser geworden..
Terje: Jetzt werden die Dinge auch gemacht. Die Leute machen sich Gedanken und zwar die richtigen. Früher mussten wir wirklich alles selbst steuern, und nun arbeiten wir mit Leuten zusammen, die so denken wie wir.

Janove: Das sind richtig gute Leute, die Ahnung von Musik haben.
Terje: Und mit denen wir befreundet waren, bevor wir den Vertrag unterzeichnet haben. Das ist glaube ich auch sehr gut.
Janove: Ja, das war ein langer und heilsamer Prozess. Ich habe gesehen, dass Fans im Internet darüber diskutieren, ob es nicht falsch war ein Indie-Label zu verlassen, das uns geholfen hat, groß zu werden. Aber es ist für eine Band auch einfach nicht toll eine Europa-Tournee zu einem neuen Album zu machen, ohne dass die Plattenfirma die neue Platte schon rausgegeben hat, so war das mit "Evig Pint". Noch nicht mal nach der Tournee kam das Album raus. Das alles kostet ja Geld. Wenn du dich nicht darauf verlassen kannst, dass die Plattenfirma die Platte erstens an die Journalisten verteilt und zweitens in die Läden bringt. Wenn die Kommunikation so schlecht funktioniert, so dass es noch nicht mal im zweiten Anlauf funktioniert, da reicht es dann irgendwann. Das können wir uns nicht leisten.
Terje: Und wir bezahlen ja am Ende die Rechnung.
Janove: Das Einzige, was wir verlangen, ist, dass die Journalisten die Promo bekommen, damit wir in den Interviews auch über etwas reden können, und dass wenn jemand die Show mag, er das Album auch im nächsten Plattenladen bekommt. Das erwarten wir diesmal. Das gehört eigentlich zu den Basics, aber funktionierte vorher halt einfach nicht. Und die Leute hätten mehr Verständnis für den Wechsel gehabt, wenn sie gewusst hätten, dass es so gelaufen ist.
Dr. Mowinckel: Werdet ihr auf dieser Tour Änderungen an eurer Show vornehmen?
Janove: Oh ja. Alles ist neu. Die Musik ist neu, weil es eine neue Platte gibt. 80% der Platte werden wir live spielen. Denn die Songs funktionieren live gut. Als wir in Frankreich spielten, wo sie unsere ersten Platten nicht kannten, haben sie nach dem Konzert die neuen Songs als ihre Favoriten genannt: "Maestro", "Blitzregn Baby" und "Delikatessen", das sind ja drei der Höhepunkte. Das ist ganz schön fett! Die neuen Sachen eignen sich für die Bühne. Und das werden wir so weitermachen. Und wenn wir die neuen Sachen spielen, sieht es ja auch neu aus, und hört sich neu an und es gibt eine neue Lightshow. Neue Klamotten. Neue Farben. Einen neuen Hintergrund und sowas. Neues Merchandise. Der Sound wird raffinierter.
Dr. Mowinckel: Uns ist aufgefallen, dass du mehr tanzt..
Janove: Ja, denn es ist eine groovigere Platte. Viel mehr groovige Musik. Es gibt häufiger längere Instrumentalparts, die mir Zeit geben, mich vom Mikro wegzubewegen. Morten Abel z.B. geht niemals vom Mikro weg, singt in einem durch. Das mag ich ja auch, aber ich mag es auch, mich ein wenig bewegen zu können. Und dann ist es ja so, dass die Fans zu mehreren Konzerten kommen. Da haben wir uns gedacht, dass wir sicherstellen müssen, dass es keine identischen Shows nacheinander geben sollte. Es wird ja auch nicht so, dass die eine Show dann besser wird als die andere. Wir haben genug Songs, um abwechslungsreiche Konzerte geben zu können. Alles, was wir rausgebracht haben, eignet sich für die Show. Wir gehen von 32 Songs aus, die wir für die Tournee proben werden und zwischen denen wir immer abwechseln werden.
Dr. Mowinckel: Wie hat sich der Wechsel der Bassisten von Jon zu Øyvind auf das Bassspiel auf der Platte auswirkt?
Geir: Øyvind ist Metallica-Fan. Jon hasst Rock.
Rune: Das sind unterschiedliche Bassisten mit unterschiedlichem Sound, unterschiedlichem Einschlag und unterschiedlichem Groove. Sie sind beide sehr gute Bassisten, aber vielleicht bewegt sich Øyvind eher innerhalb unseres Genres. Er kommt ja von Wunderkammer, die ein recht ähnliches Klientel bedienen. Aber Jon kommt aus der Jazz- und Klassik-Ecke.

Øyvind: Er hatte ja fünf Jahre klassische Ausbildung, während ich nie mit einem Orchester gespielt habe. Er arbeitet z.B. viel besser mit dem Bogen, während ich in Rockbands gespielt habe. Und ich habe auch in Wunderkammer gespielt, wo die Zigeunermusik gespielt wurde, und das ist ja "Energiemusik". Und Cloroform auch. Das klappt eigentlich alles bis jetzt gut. Aber man weiß halt nicht, wie das Bass-Spiel geworden wäre, wenn Jon auf der Platte gespielt hätte. Das wäre sicher anders geworden. Aber die Musik ist ja auch insgesamt anders als auf der zweiten Platte.
Geir: Ich habe das Gefühl, dass die Rhythmusabteilung bei uns besser zusammenarbeitet.
Øyvind: Bei der allerersten Probe trafen Rune und ich uns eine halbe Stunde vorher und spielten ein paar Grooves. Da merkten wir direkt, dass es gut klappen würde
Rune: Er ist wirklich gut.
Janove: Und das Tour-Leben bekommt ihm besser als Jon, und deshalb können wir sagen, dass er besser zu Kaizers passt als Jon.
Dr. Mowinckel: Welche Reaktionen auf die neue Platte erwartet ihr von den Rezensenten?
Janove: Das wird verdammt spannend. Es wäre natürlich schön, wenn wir gute Rezensionen bekämen! Normalerweise bekommen wir sie ja auch, da sind wir schon ein wenig verwöhnt.
Geir: Es wird spannend zu sehen, ob sie die Sache begriffen haben. Und dann ist es auch noch lange her, dass wir etwas herausgegeben haben. Es interessiert die Leute, ob währenddessen was Neues passiert ist.
Janove: Es kommt uns so vor als ob sie jetzt auf uns warten. Wir haben ein paar Rezensionen in Europa bekommen und das war so im Großen und Ganzen im Fünf-Sterne-Bereich, und dass die Platte richtig gut ist und vor Ideen überquillt. Ich glaube, dass die Leute auch ein bisschen Angst davor haben, dass wir keine neuen Ideen mehr haben und die alten Ideen wieder aufwärmen, aber das haben wir nicht getan. Wir haben nicht die alten Songs umgemodelt. Aber Kaizers Orchestra soll ja auch nicht allen gefallen. Das wäre nicht normal. Wir glauben an harte Arbeit und deswegen werden wir innerhalb von drei Monaten 56 Konzerte geben.
Geir: Selbst wenn sie uns nicht mögen, müssen sie, wenn sie uns live sehen, zugeben, dass das live verdammt gut funktioniert.
Janove: Wir werden so hart arbeiten, dass selbst wenn nur die Hälfte der Leute, die uns sehen, die Platte kaufen, wir mehrere Hunderttausend verkaufen werden. Wir werden ja in den nächsten drei Jahren vor mindestens einer halben Million Leuten spielen. Wir setzen uns nicht hin und warten darauf, das was passiert. Wir sind unheimlich glücklich mit dem Album und wir werden hart arbeiten. Und wenn es dann keinen kommerziellen Erfolg gibt, dann ist es halt so. Da werden wir trotzdem zufrieden sein.
Übersetzung: Shirin
The Jackal war so lieb, uns kurz vor der Veröffentlichung von "Maestro" ein paar neugierige Fragen zu beantworten. Lest hier, was er zum Kaizers-Album und anderen wichtigen Dingen des Lebens zu sagen hat.
S.M.K.: Aus wievielen Songs habt ihr die jetzigen Tracks für das Album ausgewählt?
Janove: Wir haben siebzehn Songs aufgenommen. Zwölf davon sind auf dem Album, zwei B-Seiten auf der EP, und es kommen noch drei. Wir haben auch noch einen Coversong von dem schon verstorbenen norwegischen Künstler Jokke.
S.M.K.: Ihr habt "Medisin og Psykiatri" einige Male live gespielt, warum schaffte es der Song nicht auf das Album?
Janove: Der Song unterschied sich zu sehr von den neuen Sachen. Es hatte mehr das Feeling von "Evig Pint". Und wir wollten keine Songs nach der altbekannten Art machen, sondern uns dem Songwriting von einer anderen Seite nähern. Vielleicht nehmen wir den Song mal als B-Seite auf.
S.M.K.: Wisst ihr schon, welche Songs ihr live spielen werdet, oder wird sich das nach und nach während der Tour herausstellen?
Janove: Ich habe schon eine Vorstellung davon, wie die Show aussehen soll. Der große Unterschied ist, dass sie besser denn je sein wird. Und wir haben jetzt noch mehr geeignete Songs, also wird die Setlist öfter geändert werden. Wir werden keine exakt gleichen Gigs mehr an zwei aufeinander folgenden Tagen spielen.
S.M.K.: Wessen Idee war der Titel "Blitzregn Baby"? Und warum der deutsche Name Dieter Meyer?
Janove: Ich habe die Songs geschrieben, also war es auch meine Idee. "Blitzregn" ist, wenn fünfzig Fotografen gleichzeitig Fotos schießen ("Blitzlichtgewitter", Anm. SMK). Der Song handelt ein bisschen davon. "Dieter Meyers Institusjon" ist schon vor zwei Jahren entstanden. Damals wussten wir nicht, dass wir bei Universal unterzeichnen werden. Deswegen ist es Zufall, dass es ein deutscher Name ist. Wir haben immer eine Menge internationaler Namen auf unseren Alben verwendet. Niemals norwegische Namen, denn sie klingen für unsere Ohren nicht exotisch genug.
S.M.K.: Gibt es auf dem Album ein Motivkomplex oder ein Thema, das sich durch das gesamte Album zieht? Und gibt es Verbindungen zu den alten Alben?
Janove: Es gibt keine direkte Verbindung zu den alten Alben, aber es geht hier um ein Nachkriegsszenario. Daher ähneln die Leute ein wenig denen aus den vorherigen Alben. Nur zu einem späteren Zeitpunkt, wo alle älter sind und in einer Nervenheilanstalt über die alten Tage reden. Aber das sind keine gewöhnlichen Leute, weswegen sich einige Dinge in der Anstalt ändern. Sie zetteln einen Aufstand an und übernehmen die Anstalt. Sie infiltrieren sie, und am Ende sind es die alten Veteranen, die wieder einmal verrückte Feste feiern und im Untergrund schmutzige Geschäfte betreiben. In diesem Keller werden nicht nur Eier gelagert.
S.M.K.: Welches Land würdet ihr am lieeeeeebsten erobern?
Janove: Groß Britannien. Nur um zu beweiiiiiiiisen, dass ich Recht hatte.
S.M.K.: Gibt es eine Band, mit der ihr gerne spielen würdet?
Janove: Wir stehen seit unserer Kindheit total auf G. Love und Mother Tongue. Wir haben beide in L.A. lebenden Bands getroffen. Und wie Amerikaner so sind, so haben sie uns auch eingeladen, sie zu besuchen und mit ihnen mal Musik zu machen. Vielleicht machen wir das mal.
S.M.K.: Welches deutsche Bier schmeckt am besten?
Janove: Mir fällt kein bestimmtes ein, aber in Belgien ist es Duvel.
S.M.K.: Was sind eure Lieblings-Fußballvereine?
Janove: Meine sind Manchester United, Real Madrid und Juventus.
S.M.K.: Wer, glaubst du, wird die WM 2006 gewinnen?
Janove: Die Deutschen, denn sie spielen im eigenen Land. Und wie schon Gary Lineker sagte: Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler neunzig Minuten lang versuchen, den Ball ins Netz zu kriegen und am Ende gewinnen die Deutschen.
Alles Gute vom Jackal.
Übersetzung: Shirin
Shirin: Lasst uns über "Evig Pint" reden, denn das ist ja die Evig Pint Tour. Dieses Album ist düsterer und aggressiver als "Ompa Til Du Dør". Gibt es einen besonderen Grund dafür?
Rune: Es gibt einen besonderen Grund. "Ompa Til Du Dør" war ein fröhliches und tanzbares Album. Deswegen mochten es viele Leute. Vom fünf Jahre alten Kind zur Oma mochte es jeder. Also dachten wir, wir machen ein dunkles Album, um zu sehen, wer uns wirklich mag. Ich glaube ein paar von den alten Damen sind wir losgeworden.
Sh: Wenn ihr die Themen von "Evig Pint" mit ein paar Worten zusammenfassen müsstet, welche wären das?
Rune: Dunkelheit, Tod, Himmel, Hölle, Liebe und Hass. In dem Song "Evig Pint" geht es da z.B. um einen, der Angst davor hat, in die Hölle zu kommen, und in "Djevelens Orkester" sind die Leute schon in der Hölle.
Sh: Wie entsteht bei euch ein Song? Kommt Jan Ove mit Ideen zu euch und ihr arbeitet alle zusammen daran?
Øyvind: Ich weiß nicht wie es bei "Evig Pint" war, denn da war ich noch nicht in der Band. Aber wir haben ja jetzt schon mit dem neuen Album angefangen, und deswegen kann ich diese Frage beantworten (grinst). Die Sache ist so: Wir haben Bandprobe und Jan Ove und Geir kommen mit ein paar Ideen für Songs und Texte. Und dann setzen wir uns zusammen und schauen, ob man die Sachen auch umsetzen kann. Jan Ove hat immer schon eine Vorstellung davon, wie sich die Drums oder der Bass anhören sollen, und wir versuchen herauszufinden, ob das funktioniert. Jan Ove macht eigentlich den Großteil der Arbeit.
Sh: Wie ist es denn mit der Relgion, denn in den Texten geht es oft um Himmel und Hölle. Was bedeutet Religion für die Bandmitglieder?
Helge: Mir und Rune bedeutet sie sehr viel.
Øyvind: Sie sind die Guten in der Band (lacht).
Helge: Aber ich glaube, dass es Jan Ove nicht viel bedeutet. Er mag es nur, darüber zu schreiben.
Rune: Dem stimme ich nicht zu. Ich glaube, dass Jan Ove sich wohl was aus Religion macht. Er stellt viele Fragen und denkt daüber nach. Helge und ich, wir haben allerdings einen Glauben.
Sh: Was sind eure musikalischen Wurzeln?
Rune: Meine musikalischen Wurzeln sind Jazz und Rock'n'Roll. Aber jetzt, wo ich älter werde, mag ich fast alles -- außer der Musik, die unser Lichtmann Nils hört -- Techno.
Øyvind: Ich bin auch ein Jazzmann. Ich habe Jazz studiert. Aber ich mag auch klassische Musik und natürlich Rock'n'Roll. Ich habe quasi einen Fuß in jedem Grab.
Helge: Ich spiele seit meinem vierten Lebensjahr Klavier, und das war alles bis ich 18 wurde. Dann habe ich angefangen 70er Jahre Musik wie Led Zeppelin und Deep Purple zu hören. Aber eigentlich höre ich kaum Musik.
Sh: Was ist denn mit dieser Mafia Sache. Könnt ihr alle was damit anfangen?
Øyvind: Nein, wir sind nicht die Mafia, hehe.
Rune: Nein, das ist nur Jan Oves Welt. Wir spielen seine Welt.
Sh: Welche Songs spielt ihr live am liebsten?
Rune: Aus "Evig Pint" mag ich "Hevnervals", "Evig Pint" und "De Involverte".
Øyvind: Da ich neu bin und noch nicht so gelangweilt von den alten Sachen, mag ich sehr gerne "Bøn Fra Helvete". Und auch "Evig Pint", das eine sehr schwere Rockmelodie hat.
Helge: Ich mag "Evig Pint", "De Involverte", aber ich finde es auch schön, auf der Autofelge zu spielen, also mag ich auch "Bøn Fra Helvete".
Sh: Helge, magst Du es mit der Gasmaske auf der Bühne zu sein, oder hat die Band dir gesagt, dass du das tun sollst?
Helge: Es war meine eigene Idee. Ich finde es spaßig. Bei früheren Shows betrat ich als erster die Bühne, und das mochte ich sehr.
Sh: Um mal über die neuen Sachen zu sprechen: Worum geht es in "Medisin Og Psykiatri"?
Rune: Ehrlich gesagt habe ich mir den Text noch nicht angeguckt. (alle lachen) Ich glaube es geht um einen Typen, der krank wird und ins "Psycho-Haus" muss. Er kriegt dauernd verschiedene Medikamente.
Sh: Ihr habt alle am neuen Album gearbeitet. Könnt ihr uns ein bisschen mehr darüber erzählen?
Øyvind: Wir haben schon zwischen 20-25 Songs.
Rune: Wir haben ein Luxusproblem. Wir haben zuviel! Wir haben 25 Songs, und ich glaube, dass das dritte Album das beste Album überhaupt wird. Nein, es wird das beste norwegische Rockalbum überhaupt.
Sh: Ist es mehr im Zigeuner-Stil?
Rune: Es ist viel fröhlicher als "Evig Pint" und wir haben auch ein paar Songs, die von Zigeunermusik inspiriert sind. Viele von ihnen sind fröhlicher und schneller.
Øyvind: Es ist sind mehr fröhliche Rock Songs, nicht soviel Gypsy Kram.
Sh: Mögt ihr das deutsche Publikum?
Rune: Natürlich!
Øyvind: Sie sind das beste Publikum auf der Welt!
Helge: Mit ihnen kann man leicht Sachen machen (Gelächter).
Rune: Ehrlich gesagt, Kaizers Orchestra spielt gerne vor jedem Publikum. Aber wir haben in Deutschland sehr viel gespielt und bis jetzt mochten wir es sehr.
Sh: Gibt es einen Unterschied zwischen den Konzerten in den großen Hallen in Norwegen und den kleinen Clubs im Ausland, wo ihr das Publikum erst überzeugen müsst? Ist es Spaß oder Arbeit?
Øyvind: Ich mag lieber in kleineren Clubs spielen, denn da gibt es mehr Kommunikation mit dem Publikum. In den kleineren Clubs sind die Deutschen großartig.
Rune: Ich glaube Kaizers Orchestra spielen am besten vor neuen Zuhörern. In Norwegen kennt uns jeder, und wir wissen, dass sie die Musik mögen. Aber es ist eine Herausforderung, vor einem neuen Publikum zu spielen, denn wir wissen, dass wir jetzt rausgehen und ihre Ärsche treten müssen.
Sh: Was habt ihr vor Kaizers Orchestra gemacht?
Rune: Ich wurde als Rockstar geboren (lacht).
Helge: Ich bin gerudert, gesegelt und habe im Wald gearbeitet. Das habe ich gemacht.
Øyvind: Ich wurde als Freejazzer geboren. Ich habe oft vor fast keinem Publikum Jazz gespielt. Ich bin durch die Staaten getourt und habe vor fünf Leuten gespielt. Ich mache das immer noch. Nach dieser Tour werde ich wieder vor fünf bis zwanzig Leuten Jazz spielen. Aber das ist cool, denn ich weiß, dass die jenigen, die da sind, das wirklich lieben.
Sh: Ich danke euch für dieses schöne Interview!!
Alle: Bitte sehr!
Übersetzung: Shirin
Thomas: Könnt Ihr Euch bitte den deutschen Fans vorstellen?
Hellraizer: Killmaster and Hellraizer.
T: Danke, das war kurz. Könntet ihr vielleicht Janoves offizielle Vorstellung der Band live auf der Bühne wiederholen?
Hellraizer: Nein. Ich glaube, er hätte es auch nicht getan. Das ist etwas, was auf der Bühne passiert. Es ändert sich auch jeden Abend. Manche Sachen sagt er auf Norwegisch.
Shirin: So, wie zum Beispiel der Part, wo er sagt, der Drummer sei ein "askebeger" (Aschenbecher)?
Hellraizer: Nein, er spielt auf einem Aschenbecher (lacht).
Killmaster: Er ist kein Aschenbecher (lacht).
S (peinlich berührt): Nun, das macht Sinn...
T: Ihr wart ja jetzt schon eine Weile auf Tour. Habt ihr bis jetzt schon irgendwelche Highlights oder Lowlights gehabt?
Killmaster: Wir hatten bis jetzt schon viele Hightlights.
Hellraizer: In Holland gab es viele.
Killmaster: Es ist schwierig, ein bestimmtes herauszugreifen. Vielleicht waren gestern (Tillburg, Anm. d. Red.) und das Lowland Festival die zwei besten. Am Tag zuvor, Samstag, das war das schlimmste - schrecklich. Wir starteten in Utrecht auf dem Zinin Festival.
Hellraizer: Wart ihr da?
T and S: Ja, aber wir haben euch verpasst. Wir kamen eine halbe Stunde zu spät an...
Killmaster: Die hatten da diesen Monitor Typen, der einzige, der Geld bekam, und der einzige, der seinen Job nicht gemacht hat.
Hellraizer: Er hat uns mit Rückkopplungen beinahe umgebracht.
Killmaster: Jau, wir hätten ihn auch fast gekillt! Es gab die ganze Zeit Feedback. Und dann haben wir noch auf dem Huntenpop gespielt. Aber zwei Shows an einem Tag sind zuviel.
(es entsteht eine kleine Diskussion darüber, wieviele Gigs die Jungs in der Woche spielen. Es stellt sich heraus, dass es um die sechs sind. Wir sind beeindruckt!)
T: Könnt ihr eure Musik jemandem beschreiben, der noch nicht die Gelegenheit hatte, eure CD zu hören oder eines eurer Konzerte zu sehen?
Hellraizer: In Utrecht gab es eine lustige Beschreibung. Das Programm bezeichnete unsere Musik als "industrial fjord sigøyner braak (Lärm, Anm. d. Red.)" oder sowas ähnliches.. Ich kann damit nicht sehr viel anfangen.
S: Nun, es ist ganz bestimmt nicht industrial.
Hellraizer: Ja, ich weiß nicht warum, aber wir hören das sehr oft, dass wir Industrial spielen.
K: Wahrscheinlich wegen der Fässer.
Hellraizer: Unsere Musik ist vielleicht eine seltsame Zigeunerrockvariante. Wir haben ganze normale Rocksachen, dann haben wir einige Zigeunersachen, und dann haben wir noch ein paar Balladen.
Killmaster: Wir nennen es Kaizerrock.
Hellraizer: Ja, vielleicht ist es in 20 Jahren ein eigenständiges Genre (lacht). Aber im Grunde spielen wir Rock.
T: Die Choreografie eurer Shows ist sehr gut. Kam das von selbst oder habt ihr das geplant und einstudiert?
Hellraizer: Es hat sich nach und nach entwickelt.
Killmaster: Wir haben soviele Konzerte gegeben, es hat sich immer wieder verändert. Wenn ihr uns das nächste Mal seht...
Hellraizer: ...dann stehen wir vielleicht nur da und gucken auf unsere Schuhe. Wir leben einfach eine Seite an uns aus und tun das, worauf wir Bock haben. Es ist dem, was du tun kannst, keine Grenzen gesetzt. Wir machen genau das, womit wir uns wohl fühlen, und was die Show vielleicht witzig macht.
Killmaster: Wir sind ein Team, wisst ihr.
S: Übrigens, kennt ihr die finnische Band Eläkeläiset, die vor ein paar Jahren die CD "Humppa til we die" veröffentlichten?
Killmaster and Hellraizer: Nein. Ist das wahr? Wir haben noch nie davon gehört.
K: Auf euren Konzerten gibt es immer ein paar Leute, die die T-Shirts tragen...
S: Sie haben ziemlich abgefuckte Instrumente, mit denen sie bescheuerte Humpa-Coverversionen machen... (Shirin und Karsten finden sie trotzdem geil)
Hellraizer: Nun, wir hören überhaupt keine Ompa-Musik.
S: Wie kam es dann überhaupt zu dieser Ompa-Sache?
Hellraizer: Es ist etwas, worauf wir uns als Genre beziehen - uffta uffta - Das ist für uns Ompa. Wir haben es aber nie gehört, wir haben einfach angefangen, es zu spielen. Wenn uns dann Leute fragen, ob wie ihnen Ompa-Sachen empfehlen können, dann können wir das nicht.
Killmaster: Wir können uns auf den Film "Underground" beziehen.
(Tourmanager Bjarke kommt mit frisch gewaschenen Klamotten aus der Reinigung herein)
Hellraizer: Wir haben unsere Anzüge zum ersten Mal in die Reinigung gebracht. (alle lachen)
T: Weshalb, glaubt ihr, mag das ausländische Publikum Kaizers, obwohl es doch nicht versteht, was ihr da singt?
Killmaster: Es geht hier um Energie, Kommunikation und Musik. Es geht nicht um Sprache. Warum mögt Ihr es? Ihr solltet das beantworten! (Nun, da hat er wohl Recht, Anm. d. Red.).
T: Nun, wir haben natürlich unsere Gründe, aber wir wollten eure Meinung dazu hören.
Hellraizer: Musik besteht nicht nur aus Wörtern. Ich verstehe nicht unbedingt jedes Wort, das Tom (Nachname unverständlich) auf der Bühne sagt, aber ich könnte die Show trotzdem toll finden.
Killmaster: Wie oft passiert dir das, dass du zu einem Konzert gehst, eine Band zum ersten Mal siehst und auf die Texte hörst?
T: Es kommt drauf an, in welcher Sprache die singen. Wenn es Deutsch oder Englisch ist, höre ich da genauer hin.
Killmaster: Viele Leute hören nicht auf die Texte.
K: Naja, ihr habt interessante Texte, die zu verstehen sich lohnt.
Hellraizer: Aus diesem Grund haben wir sie auch ins Englische übersetzt... Nun, das wichtigste an einer Show ist, dass es den Leuten gefällt.
K: Werdet ihr weiterhin auf Norwegisch singen?
Hellraizer: Ja.
T: Ist euch während der Shows schon mal ein Axtgriff oder eine Brechstange aus der Hand geglitten? Und - jetzt kommt die sehr deutsche Frage: habt ihr für einen solchen Fall eine Versicherung?
Hellraizer: Das passiert oft, aber meistens tun wir nur uns selbst weh. Auf einem der ersten Gigs habe ich mir den Finger zwischen der Brechstange und dem Fass eingeklemmt. Mein Finger ist richtig angeschwollen und ich konnte ihn längere Zeit nicht bewegen.
Killmaster: Er hat es auf die harte Tour gelernt (lacht).
K: Aber sie ist dir noch nie versehentlich ins Publikum entglitten? Das könnte ein paar Zähne kosten..
Hellraizer: Es könnte deinen Kopf kosten, aber wir hoffen, dass das niemals passiert.
All: Also, keine Versicherung? (Gelächter)
Hellraizer: Wenn wir Verträge machen, dann unterzeichnen wir, dass wir keine Haftung für das übernehmen, was während der Show passiert.
Killmaster: Wir haben schon 250 Konzerte gegeben und wir haben noch nie jemanden verletzt.
Hellraizer: Nur uns selbst..
T: Krieg ist ein in euren Texten sehr präsentes Thema. Wie kommt das?
Hellraizer: "170" hat direkt mit dem Krieg zu tun. Aber Songs wie "Resistansen" handeln von der anderen Seite des Krieges, z.B. davon, was zwischen der Zivilbevölkerung passiert, die ja eine unsichere Zukunft hat. Es ist faszinierend über diese Ungewissheit zu schreiben, denn du weißt nicht, ob du morgen noch lebst oder schon tot bist. Und trotzdem gibt es keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen und deprimiert zu sein. Du feierst einfach weiter und hoffst, dass sich alles zum Guten wendet.
Killmaster: Wir haben mal mit einem osteuropäischen Typen gesprochen, und er hat gesagt, dass der Krieg nun mal so ist. Du brauchst Kultur, und du brauchst Musik, auch in Kriegszeiten. Er kam aus Kroatien. Das sind faszinierende Themen.
Hellraizer: Das ist was in dem Film "Underground" von Kusturica beschrieben wird. Wenn du den Text von "Resistansen" liest, dann ist es eigentlich dasselbe Thema. Versteck dich unten im Keller und tanz auf den Tischen, während draußen der Krieg tobt.
Killmaster: Ja, die Songs ähneln Kurzfilmen.
T: Mafia ist das andere große Thema. Müssen wir uns vor einer norwegischen Verschwörung mit Ziel der Übernahme des Kontinents fürchten?
Killmaster: Ich kann diese Frage nicht beantworten...
Hellraizer: Wir haben mal probiert, Grönland einzunehmen, aber es hat nicht geklappt (lacht)...
Hellraizer: Nun, die großen Themen sind Loyalität, Vertrauen, Liebe, Hass. Diese Art von Beziehungen. Du weißt nie, wem du vertrauen kannst. Du denkst, du hast alles richtig gemacht, aber eines Tages kriegst du Zementstiefel an die Füße und stehst am See, um an die Fische verfüttert zu werden. Das ist, was in "Sjåfør Til Passajer" and "Rullett" and "Ta Kontroll På Kontinentet" passiert. Und zwischen diesen Songs gibt es ja Verbindungen.
S: habt ihr die Charaktere in euren Songs alle selbst ausgedacht?
Hellraizer: Ja!
T: Die norwegische Botschaft hat auf ihrer Seite einen Link zu euch. Fühlt ihr euch wie eine Art Botschafter Norwegens?
Killmaster: Nein, wir machen nur unser Ding. Wir machen nur Musik. Ich sehe mich nicht als Botschafter.
(Janove schwebt hinein, müde, und kramt in den Anzügen herum)
Hellraizer: Es kommt allerdings viel Gutes aus Norwegen. Nur die Musikindustrie in Norwegen wird immer übersehen, sie wird nicht wirklich ernst genommen.
S: Abgesehen vom Black Metal.
Hellraizer: Aber die machen ihr eigenes Ding. Die sind im normalen norwegischen Programm nicht inbegriffen.
Killmaster: Vielleicht sind wir Botschafter der norwegischen Musikszene.
Hellraizer: Ja, aber nicht des norwegischen Staates. Die nehmen uns nicht ernst. Es ist nicht wie in Schweden, wo man die Musikindustrie ernst nimmt. In Norwegen tut man das nicht. Die Politiker unterstützen uns nicht wirklich, wie z.B. in Schweden, wo sie sehr viel Geld in die Musik und die Bands stecken, um wiederum Geld daran zu verdienen. Du musst in Norwegen alles selber machen. Wir haben für die Tour nur sehr wenig Unterstützung bekommen, und das nur für ein paar wenige Shows.
Killmaster: Es ist wirklich nichts.
T: Wie spielt ihr Russisch Roulette? In "Rullett", wird Tony aufgefordert, seine Mandoline beiseite zu legen, um die Trommel zu drehen. Die Erklärung auf eurer Webseite suggeriert aber etwas anderes, denn es wird gesagt, dass die sechste Person sterben muss, nachdem die fünf Personen vor ihm dies nicht taten.
Killmaster: Das ist, weil du die Trommel nicht nach jedem Mann drehst. Du drehst sie nur einmal.
K: Aber das ist was der Refrain sagt: "Tony, es ist jetzt an dir, an der Trommel zu drehen".
Hellraizer: Es ist nur an ihm abzudrücken. Man sagt es halt so (dabei dreht sich die Trommel ja auch).
K: Diese Frage bezieht sich auch auf "Fra Sjåfør Til Passasjer", wo Dominique denkt, dass er für Tonys Tod verantwortlich ist, was nur dann Sinn macht, wenn nicht jeder Teilnehmer an der Trommel gedreht hat.
Hellraizer: Ja, er weiß, dass das die letzte Kammer ist, er hätte ihn nicht spielen lassen sollen, deswegen ist er derjenige, der es in "Fra Sjåfør..." abbekommt.
T: In der Bandgeschichte auf www.kaizers.no wird viel an Geir rumgemäkelt, warum?
Hellraizer: Was meinst du damit?
S: In "Prosessen" sagen sie, dass du auf dem ersten Konzert im Rick's krank warst und die Show verdorben hast.
Hellraizer: Nun, ich war krank, ich hatte eine sehr schlimme Erkältung.
K: Es ist nur irgendwie dein Pech, dass bei dir immer drauf hingewiesen wird. Du warst krank, du brachst dir den Finger...
Hellraizer: Oh, das habe ich selbst geschrieben
(allgemeine Heiterkeit)
T: Auch die Stelle, in der Jon sagt, dass du der schlechteste Gitarrist bist, den er je gehört hat...
Hellraizer: Oh ja, Jon hat mir das später gesagt. Es wurde aufgenommen und es klang schrecklich. Ich hatte vor dieser Show noch nie eine elektrische Gitarre gespielt.
K: Und was denkst du selbst darüber? War es schrecklich?
Hellraizer: Ja, er hatte Recht. Die Gitarre klang schlimm.
Killmaster: Aber er hat sich weiterentwickelt.
(allgemeine Zustimmung)
T: Das ist wohl wahr. Danke für das Interview.
Übersetzung: Shirin